KARRIERE

Wissenschaft und der Rest des Lebens? Diese Frage wird üblicherweise unter dem Begriff der ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf‘ abgehandelt – ein Konzept das im bundesdeutschen Sprachraum sehr spezifisch als polarisierendes Konzept gedacht wird – Mutterschaft und Berufsarbeit schließen sich im traditionellen Bild der „guten Mutter“ immer noch aus. Ich habe mich in einigen meiner empirischen Forschungen kulturvergleichend mit diesem Konzept beschäftigt und die Einbettung in das ‚Weibliche Selbstkonzept‘ im Vergleich verschiedener Gruppen von Frauen untersucht. Nicht in allen Gesellschaften ist die Idee unserer Ausschließlichkeit bekannt – Mütter sind vielfach selbstverständlich und öffentlich anerkannt berufstätig. Die ‚gute Mutter‘ ist durchaus eine Mutter, die eigene Interessen und eine eigene berufliche Existenz hat. Dieses Bild setzt sich unterdessen im Alltag durch, dringt auch in die Vorstandsetagen von Dax-Konzernen.

 

Das Leben in modernen Gesellschaften ist durch die Beteiligung an verschiedenen gesellschaftlichen Sphären bzw. Domänen geprägt, in denen unterschiedliche Handlungserwartungen und Bewertungslogiken gelten. Unsere Gesellschafts- und Geschlechterordnung ordnet die aus der Erwerbsarbeit herausdefinierte unbezahlte Haus- und Familienarbeit (Karin HAUSEN 1976) einzig der Privatheit und damit der Familiensphäre zu und insbesondere der Verantwortlichkeit der Frau und Mutter. Diese Zuordnung erfährt die Wissenschaftlerin doppelt, denn aufgrund von gegebener Flexibilität in der zeitlichen Gestaltung – bspw. sind viele Arbeiten am Schreibtisch zu Hause möglich – ist sie anwesend und greifbar.

 

 

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Ihre Arbeit erscheint oft als nachzuordnendes Interesse – und aufschiebbar. So werden die Kinder sehr gerne der Frau ausschließlich zugeordnet, selbst wenn diese in einer Qualifikationsphase steckt, promoviert oder habilitiert. Konflikte sind vorprogammiert. Eine Berufstätigkeit in Forschung und Lehre lebt von hohem Engagement, dennoch ist diese Arbeit auch Erwerbsarbeit, die spezifische Freiräume braucht und die Möglichkeit, Raum fürs Denken zu haben….

 

Wie das Arbeitsfeld der Wissenschaft/Universität mit den Anforderungen einer Familie im Lebensentwurf einer Wissenschaftlerin gehandhabt werden kann, ist immer eine individuelle Kraftanstrengung, auch im zeitgeschichtlichen Verlauf unterschiedlich schwierig. Wie die Interessen zwischen wissenschaftlichen/fachlichen Fragen und persönlichen Lebensbedingungen ineinandergreifen können, soll meine kleine Foto – Collage veranschaulichen: Zwischen Forschung und Familie.

Schwerpunkt Lehr-und Forschungstätigkeit

Wissenschaftliches Profil:
Empirische Migrations- und Genderforschung

Langjährige Lehr- und Forschungstätigkeit an verschiedenen Universitäten zur Frage der Relevanz von Migration für den Bereich Erziehung und Bildung

Seit 2016 bundesweit tätig in fachbezogenen Fort-, Aus- und Weiterbildungsangeboten mit dem Ziel der Vermittlung einer ‚interkulturellen‘ Perspektive für die verschiedenen Handlungsfelder und dem Fokus auf den sozialisations- und gendertheoretischen sowie empirischen Grundlagen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen.

Wissenschaftlicher Werdegang

Studium der Germanistik, Philosophie, Pädagogik und Sozialwissenschaften an der RWTH Aachen und an der Universität Trier;
Diplom Erziehungswissenschaft 1975, Wissenschaftliche Assistentin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschungsprojekten an der Freien Universität Berlin und an der TU Berlin 1976–1987;

Promotion zum Dr. phil. 1985, Freie Universität Berlin, Fach Empirische Erziehungswissen-schaft, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie (Türkische Familien und Berliner Schule. Die deutsche Schule im Spiegel von Einstellungen, Erwartungen und Erfahrungen türkischer Eltern – eine empirische Untersuchung);

Forschungsaufenthalt 1986 in den USA mit einem Stipendium des Nordamerika-Zentrums der Universität Frankfurt (ZENAF);

 

Hochschulassistentin und Hochschuldozentin an der Universität Osnabrück 1988–1998; 1990 Mitbegründerin des IMIS (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien); 1994 Habilitation an der Universität Osnabrück im Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften (Mutterschaft und weibliches Selbstkonzept. Eine interkulturell-vergleichende Untersuchung),

 

Lehrbefähigung für die Allgemeine Pädagogik; 1995 Apl. Professorin; 1998/99 Vertretung der Professur für Erziehungswissenschaft (Wolfgang Brezinka) an der Universität Konstanz; ab 1999 an der Universität Augsburg als Universitätsprofessorin für Pädagogik, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät;

 

2007 Ruf an die Universität Wien auf den Lehrstuhl für Empirische Pädagogik an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft (abgelehnt); 2008/09 Lehrtätigkeit an der Universität Wien als Gastprofessorin am Institut für Bildungswissenschaft;

 

seit 2016 im Ruhestand und tätig in fachbezogenen Fort-, Aus- und Weiter-bildungsangeboten.